Stadt Coburg – Von der Akte zum Bescheid: KI, die wirkt

Ausländerbehörden arbeiten häufig mit umfangreichen Akten und komplexen rechtlichen Prüfungen. Das kostet Zeit – und bindet Fachkräfte dort, wo Routinearbeit dominieren kann. Die Stadt Coburg hat deshalb gemeinsam mit dem Startup Lexaru (Gründerprojekt der Technischen Universität München, Legal Tech Colab) eine KI-Assistenz entwickelt, die die fachliche Fallbearbeitung strukturiert unterstützt: von der Sichtung der Akten bis zur Bescheiderstellung. Ziel ist es, Bearbeitungszeiten deutlich zu reduzieren, ohne fachliche Entscheidungen zu ersetzen.

Entwicklung aus der Praxis für die Praxis

Zentraler Ansatz ist die konsequente Einbettung in den Arbeitsalltag der Ausländerbehörde. Die Anwendung „LexBescheid“ wurde von Beginn an gemeinsam mit den Mitarbeitenden entwickelt, laufend an fachliche Anforderungen angepasst und nicht als isoliertes KI-Tool, sondern als Bestandteil des Bearbeitungsprozesses konzipiert. Damit setzt Coburg auf kooperative Entwicklung zwischen Kommune und Startup – mit Fokus auf Wirksamkeit im Regelbetrieb.

KI-Assistenz entlang des gesamten Prozesses

LexBescheid analysiert und strukturiert umfangreiche Fallakten automatisiert, verknüpft Informationen aus unterschiedlichen Dokumenten und Datenquellen und bereitet sie entlang konkreter verwaltungsrechtlicher Prüfschritte auf. Zentrale Aspekte der Bewertung werden transparent dargestellt und bleiben jederzeit nachvollziehbar und überprüfbar. Die KI liefert damit kontextbezogene, rechtlich orientierte Unterstützung – die Entscheidung bleibt bei den Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern.

Vom Pilotbetrieb in den Alltag

Nach einem erfolgreichen Pilot ist die Lösung seit Anfang des Jahres im Regelbetrieb und in die tägliche Sachbearbeitung integriert. Laut Einreichung werden in relevanten Prozessen bereits Zeitersparnisse von über 80 Prozent pro Fall erreicht. Das entlastet die Mitarbeitenden spürbar und schafft Spielraum für anspruchsvolle Fälle, Kommunikation und Qualitätssicherung.

Der Ansatz ist grundsätzlich auf andere Ausländerbehörden oder Rechtsbereiche mit komplexen Akten übertragbar. Voraussetzung sind digitale Aktenstrukturen sowie die fachliche und technische Integrationsfähigkeit in bestehende Verfahren. Coburg zeigt damit beispielhaft, wie vertrauenswürdige KI-Anwendungen entstehen können: eng mit der Verwaltungspraxis verzahnt, transparent im Ergebnis – und mit messbarem Nutzen.

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